Cevedale

Kanonen im Hochgebirge

Ulrich Mößlang der Tauchbrillenspezialist  Wendl Pircher

Ulrich Mößlang Optik Heydenreich der  Tauchbrillenspezialist  und  zertifizierter Sport-Optiker  
 
Fernkampfwerke, Bunker, Infanteriestützpunkte, Stellungen und Festungen der Österreicher und Ex Forte der Italiener aus dem ersten Weltkrieg in den Alpen, Dolomiten, Verona, Venezien und Friaul.  Denkmäler in München, Bayern und dem Rest der Welt.

1. Kanone  2. Kanone  3. Kanone


Foto Ra. Alexander Kraffczyk 2008

Am sogenannten inneren Kofel nahe am Cevedalepass liegen noch heute die Rohre von 3 ital. 149 G Kanonen.

Lage: Der innere Kofel ist ein kleines Felsenriff am Lang Ferner in nähe der heutigen Casatihütte und dem Eisseepass,  dem Übergang zwischen Sulden und Martelltal. Die Front lag vorne wo heute die Casatihütte steht, die nahe Suldenspitze, Eisseespitze und der innere Kofel wahren Artilleriestellung.

Der Anmarsch ist über 3 Seiten möglich.

Vom Martelltal aus: Mit dem Auto ins Martelltal bis zum Ende der Strasse (während des Krieges gebaut!), dort Parken. Über die Zufallhütte (ehemaliges Abschnittskomando, Reste von Baracken und Kapelle) weiter hoch zur Casatihütte, ca. 4 st.

Von Sulden: In Sulden mit Seilbahn hinauf zur Schaubachhütte, von dort weiter hinauf zum Eisseepass, dort Übergang ins Martell, nach kurzem Abstieg kommt man auf den Weg der vom Martell heraufkommt.

Am Eisseepass Reste der Hallischen Hütte, Baracken, unterhalb am Gletscherrand Granaten und gut erhaltene Barackenteile!

Dort wo die Wege zusammenkommen, kann man nun links den inneren Kofel sehen, das Felsenriff am Gletscherrand.

Aber Achtung, alle Anstiege müssen über Gletscher gemacht werden, wobei besonders beim Anstieg von Sulden auf dem Eisseepass sehr viele Gletscherspalten im Weg liegen, auch der Bereich Eisseepass - inner Kofel ist sehr gefährlich, am besten nur mit Bergführer!  www.alpinschule-ortler.com

Der einfachste Anstieg zur Casatihütte erfolgt von S. Caterina Val Furva (über´s Stilfserjoch nach Bormio) aus.

Infos über die Webseite der Hütte www.rifugiocasati.it 

 Bei den 3 Kanonen handelt es sich um italienische 149 - G Geschütze vom Hersteller Arsenale - Torino, es sind die gleichen Modelle wie die Adamellokanone.
Mehr Info´s über diese Geschütze bei der Adamellokanone.

WP

 

zur 3. Kanone

Anbei Bilder der Ortlergeschütze,

einmal die 7cm M99 mit Schild

und dann die 9cm M75 ohne Schild.

2  7cm Kanonen wurden 1916 in Stellung gebracht, eine am Gipfel und eine etwas tiefer am Pleißhorn.

1917 wurden dann 2 alte 9cm Baujahr 1875 aus dem Arsenal Trient auf den Ortler befördert, die neben den 7cm

Geschützen aufgestellt wurden. 1918 wurden vermutlich noch 2 75er Skoda Gebirgshaubitzen auf den Ortler befödert.

Sodas vermutlich dann ganze 6 Geschütze oben standen, dazu Minen und Granatwerfer und einige Schwarzlose MG.

Der Nachschub wurde ab 1917 per Seilbahn bis zum Gipfel erledigt.

Die oberen Geschütze feuerten auf die Königsspitze und auf Cima- und Passo Miniera, die Pleißhorngeschütze feuerten auf

Thurwieser und die Trafoier Eiswand, dort vor allem auf den ital. Artillerie Beobachter.

Gruss Wendl 

Hinweis: durch die Perspektive der photographischen Aufnahme wirkt das Ortler-Geschütz hier allerdings weit größer als in Wirklichkeit.  In Wahrheit ist es putzig klein.

Interessant die Lafette aus Metall (zweigeteilt; hinten Gußstahl, vorne die zähere Bronze) und die Räder aus Holz. Es sind kräftige Räder wie bei Lastfuhrwerken, mit Stahlreifen bewehrt.

Dieser Hinterlader schoß nicht wesentlich schneller als ein Vorderlader, da kein Rohrrücklauf-Mechanismus vorhanden war und daher die ganze Kanone bei jedem Schuß durch den Rückstoß etwas aus der Bahn gehoben wurde und dann neu gerichtet werden mußte. Aber im Hochgebirgskrieg mit den enormen Nachschubproblemen spielte das keine Rolle, da ohnehin mit der Munition gegeizt werden mußte. Sehr vorteilhaft war vor allem im Gebirgseinsatz aber das durch das Fehlen des Rohrrücklauf-Mechanismusses wesentlich geringere Gewicht.

Kartätschen waren nur im Nahkampf sinnvoll (der gezogene Lauf führte durch seinen Drall zu einer unerwünschten Fliehkraft und die Garbe wanderte ringförmig nach außen. Auf mehr als 200 Schritt traf man daher überall hin, nur nicht dorthin, wohin man zielte) – zur Sturmabwehr waren Splitter-Handgranaten eigentlich weit effektiver.

Die Sprenggranate mit AZ war die Hauptmunition. Tödlicher Radius 50 Schritt wenn auf hartem Boden getroffen wurde. Und im Hochgebirge ist immer harter Geröllboden. Bei einem Treffer in 2 bis 20 Meter Höhe auf einen senkrechten Felsen war die Splitterwirkung vernichtend.

Mit tempierten Granaten wurde fast keine Wirkung erzielt; viel zu schwierig die Entfernungsschätzung (es muß ja die wahre Flugentfernung bei gekrümmter Flugbahn geschätzt werden und nicht die gerade Linie) und außerdem war die Zeiteinstellung (Tempierung) nicht präzise genug. Mehr Erfolg versprach da meist das Schrapnell, allerdings nur dann, wenn der Feind nicht hinter einer Deckung (großer Felsen) lag.

 

Wie dem auch sei. Das Ortler-Geschütz war wirkungsvoller als ein Maschinengewehr (mit dem im direkten Richten auch nur 1300 Schritt weit getroffen wurde – ausgenommen Flächenziele, aber die waren im Gebirgskampf selten).

 

Ein Schutzschild war unnötig, da immer von überhöhten Stellungen (Kammstellungen) geschossen wurde. Somit war das Geschütz von unten nicht angreifbar.

 

Selbstverständlich bedurfte so ein Geschütz einer Bedeckung.

10 Mann mit Repetiergewehr M 95 und 50 Splitter-Handgranaten (zur Sturmabwehr) und ein etwas abseits liegendes Maschinengewehr (das auch flankierend eingesetzt werden konnte) erhöhte den Wert der Geschützstellung erheblich. War dann uneinnehmbar. Idealerweise kam noch ein Zielfernrohrgewehr (Mannlicher-Schönauer 6,5 mm mit Ziel 3 und verstellbarem Absehen bis 400 m) dazu – dann war die Stellung perfekt.

Ein oder zwei Selbstladepistolen oder notfalls Revolver und – vielleicht – eine oder zwei  Maschinenpistolen. Dazu noch zwei Wachhunde, die auch Lawinenhunde waren. Einer davon wurde in der Nacht als Meldehund verwendet.

 

So eine kleine Kammstellung war extrem stark.

 

 

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