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Die Sperrgruppe Töll zwischen Naturns und
Meran zählte zur dritten Linie des Vallo Alpino. Da der Bau dieser
Anlagen sehr spät begonnen wurde, sind bei ihnen alle neuen Normen
verwirklicht worden: Die Werke besitzen Nahkampfstände vor den
Eingängen, hier findet man auch die seltenen Handgranatenauswürfe in
den Mauern. Dafür sind viele Werke unfertig im Rohbau geblieben. Das
Artilleriewerk Nr. 10 oberhalb des Eisenbahntunnels wurde fast
fertig gestellt, die Tarnung der Kanonenkasematten im Fels ist
perfekt gelungen. Die Festungslafetten für die Geschütze wurden
jedoch nicht mehr eingebaut. Auch der Nahkampfstand am Eingang ist
nicht über das Kavernenstadium hinaus gelangt. Interessant ist hier
die Tarnung des Eingangs: Da die Werksstraße ihn wohl immer verraten
hätte, wurde der Eingang als ein Bauwerk des Stromerzeugers
Etsch-Werke getarnt. Daher findet man hier auch ausnahmsweise die
Jahreszahl 1940 über dem Eingangsportal.

Die Stützmauer über dem Haupteingang
des Artilleriewerks Nr. 10 war schwierig zu tarnen. Man entschloss
sich daher, ein Bauwerk des Stromversorgers Etsch-Werke
vorzutäuschen. Die Warntafeln weisen heute auf die Gefahren durch
das Sprengstofflager für den Steinbruch hin.

Eine der drei Artilleriescharten des
Werks Nr. 10. Die Panzerplatte und die Festungslafette vom Typ 4
wurden nicht mehr installiert. Der Ventilator in der Scharte dient
heute zur Bewetterung des Sprengstofflagers. Im Obergeschoss ahnt
man die Scharte des Artilleriebeobachters. Man kann sich vorstellen,
dass die Anlage mit den vorgesehenen Tarnblenden kaum noch zu
erkennen gewesen wäre.
Heute dienen die unterirdischen Gänge dem nahe gelegenen
Steinbruch als Lager für Sprengstoff. Den gleichen Verwendungszweck
haben auch die Werke Nr. 11 und 12 an der Straße zu den
Quadrathöfen. Das Werk Nr. 8 am westlichen Eingang des
Eisenbahntunnels sollte mit seinen zwei 47-mm-PAK die Staatsstraße
nach Meran und den Tunnel sperren. Die Panzerscharten für die PAK
wurden jedoch nicht mehr installiert, man findet aber noch die
entsprechenden Aussparungen für deren Montage in den Wänden. Das
Werk hat einen direkten Zugang zum Eisenbahntunnel und zu den beiden
Sprengkammern am Tunneleingang. Werk 9 befindet sich heute im
Privatbesitz. Einige Anlagen der Sperrgruppe Töll wie die
Mannschaftsunterkunft Nr. 1b oder das Werk Nr. 1 nahe dem Hof
Obermeier werden heute von Bauern zur Lagerung und künstlichen Reife
von Obst verwendet. Hierzu werden die gasdichten Räume mit
Kohlensäure oder Methylengas gefüllt, um die Lagerfähigkeit der
Früchte zu erhöhen.
Die Sperrgruppe Gampenjoch |