Der Alpenwall in Südtirol

 

Die Sperrgruppe Mals-Glurns

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Die Sperrgruppe Mal-Glurns bildete die zweite Linie des Alpenwalls im Vinschgau. Die meisten der 15 fertiggestellten Werke sind freistehende Betonbunker, nur das Werk Nr. 11 in der Felswand bei Schleis ist eine Kavernenanlage. Die Betonbunker sind sämtlich zweistöckig, die Unterkünfte liegen im Untergeschoss, die Kampfräume mit 3 bis 5 MG oder PAK finden sich in der Frontseite des Obergeschosses. Die Werke vom Typ 15000 haben mit Ausnahme von Werk Nr. 24 noch keine Nahkampfstände außerhalb der Eingänge. Der Bau der Sperrgruppe begann schon im Januar 1940, als das Rundschreiben Nr. 600 für diese Kampfstände noch nicht veröffentlicht war.


Der Bunker Nr. 6 an der Staatsstraße 22 bei Mals hat jährlich Tausende Urlauber vorbeiziehen sehen. Nicht wenige hielten ihn für ein Relikt aus dem Ersten Weltkrieg. Die steinernen Aufbauten auf der Decke stammen noch von seiner Tarnung als ziviles Gebäude. Die Ziegelreste belegen, dass er einmal einen regelrechten Dachstuhl besaß. Das Werk musste im Herbst 2001 einem Parkplatz für die angrenzende Kirche weichen

Die Innenausstattung war nur rudimentär installiert: Zwar besaßen die Anlagen Gasdrucktüren und Lüftungseinrichtungen, es lassen sich jedoch keine Spuren der Stromaggregate nachweisen. Auch die vorgesehenen Periskope zur Beobachtung des Vorfeldes wurden nirgends eingebaut. Die Werke waren meist als Teil der Wiesenlandschaft getarnt, wobei die Kampfscharten mit einem Drahtgeflecht mit Zementestrichauflage verdeckt waren. Die ortsnahen Anlagen wurden als Gebäude getarnt. Dazu wurden sie mit Holzwänden verkleidet und die Decke mit einem Ziegeldach versehen. Die Schornsteine und Ziegelreste der Tarnanlagen sind noch bei einigen Werken zu erkennen. Werk Nr. 18 am Rambach bei Glurns trägt heute noch die Aufschrift „AQUEDOTTO COMUNALE“, womit es zur Täuschung als Gemeindewasserwerk ausgewiesen werden sollte.


Lageskizze der Sperrgruppe Mals-Glurns

Im Werk Nr. 7 an der Straße zwischen Mals und Schleis wurde eine der MG-Scharten herausgesprengt, um dort einen weiteren Eingang einzubauen. An dieser Stelle kann man sehr gut die offen gelegte Eisenbetonverstärkung der Kampfscharten studieren. Die nordwestliche Richtung dieses Eingangs lässt darauf schließen, dass dieser provisorische Umbau von den deutschen Truppen gegen die von Bozen nachrückenden Amerikaner im Jahr 1945 durchgeführt wurde. Die Beschussspuren an den Werken Nr. 4, 6 und 7 rühren wahrscheinlich von Probeschüssen der deutschen Wehrmacht aus dem Jahr 1943 her. Im Werk Nr. 7 zeigt ein Durchschuss drastisch die Schwächen des unarmierten Stampfbetons auf!


Die Beobachtungskuppel des Werks Nr. 13 macht sich auf der 3 m starken Betondecke nahezu winzig aus. Die Steinaufbauten stammen noch von der alten Tarnung. Werk Nr. 13 ist eines der wenigen dieser Sperrgruppe, das mit seinen Maschinengewehren auch in Richtung der nahegelegenen Schweizer Grenze im Münstertal wirken konnte.

Das Kavernewerk Nr. 11 liegt mit seinen vier MG-Kampfständen fast unsichtbar direkt über dem Werk Nr. 8 in einer Felswand. Die Anlage ist innen nur im Rohbau fertiggestellt worden, hier wurden keine weiteren Einrichtungen installiert. Interessant sind die beiden Nachbarwerke, das Artilleriewerk Nr. 10 und Werk Nr. 9, die beide im gleichen Felsband liegen und durch Gänge mit Werk Nr. 11 verbunden sind. Diese beiden Anlagen sind zwar kaverniert worden, aber nur an wenigen Stellen wurde mit der inneren Betonauskleidung begonnen. Das Artilleriewerk sollte vier 75-mm-Kanonen auf Festungslafette und einen Beobachtungsstand erhalten. Die Kampfstände wurden jedoch nicht mehr betoniert. Insgesamt kann man in diesem Felsband alle Ausbaustadien des italienischen Festungsbaus studieren. Auch in den steilen Felsen oberhalb von Laatsch wurden Kavernen für ein Infanteriewerk gebohrt, wobei die Bewohner des Dorfes an ihren Häusern erhebliche Schäden durch Steinschlag beklagen mussten. Auf der westlichen Talseite wurden ebenfalls Kavernen für Befestigungen in den Fels gesprengt, die Anlagen wurden jedoch nicht mehr ausbetoniert, die Eingänge sind heute meistenteils zugemauert. Dass diese Bauarbeiten im Fels nicht ungefährlich waren, belegt die Zahl von mindestens fünf tödlich verunglückten Mineuren alleine in diesem Gebiet.


Der Unterkunftsraum von Werk Nr. 18 bei Glurns dient heute den Jugendlichen vom nahen Campingplatz als Schauplatz für ihre Mutproben und Gruselpartys.

Das Rückgrat der Sperre war ein Panzergraben, der das Etschtal nördlich von Mals durchzog. Der Graben wurde teilweise entfernt, zum Teil aber nur zugeschüttet, so dass man heute etwas südlich von Schleis noch die breiten Betonränder in der Wiese erkennen kann.  

Unter dem Tartscher Bühl, einem Felshügel nördlich der Eisenbahnlinie bei Tartsch sollte mit dem Werk Nr. 21 ein riesiges Festungswerk mit 23 Maschinengewehren, vier 75-mm-Kanonen und Mannschaftsunterkünften entstehen. Die Anlage wurde wohl kaverniert, aber als abzusehen war, dass sie nicht mehr rechtzeitig fertiggestellt werden konnte mit einem großen Betonpfropfen verschlossen. Beim Einmarsch der Wehrmacht am 8.9.1943 waren nur einige Bunker nördlich Tartsch von den Italienern besetzt worden, die sich jedoch beim Herannahen der Deutschen kampflos ergaben.


Panorama-Aufnahme der Sperrgruppe Mals-Glurns: Von der Kapelle St. Martin südlich von Glurns sind die meisten Werke dieser Sperrgruppe zu sehen. Der ehemalige Verlauf des Panzergrabens ist angedeutet. Die Sperre hatte kaum eine Wirkung gegen die schweizerische Grenze links im Bild!

 

Die Sperrgruppe Töll

 

 

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