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Gemessen an der
quantitativen und qualitativen Stärke der Bauwerke des Vallo Alpino
war seine technische Ausstattung sehr spartanisch. Die Gründe dafür
mögen nicht nur in der relativ schwachen Wirtschaftskraft Italiens
gelegen haben. Auch ließ der niedrige Ausbildungsstand der
italienischen Armee einen hohen Grad der Technisierung gar nicht zu.
Da die Festungsbauten
keine Fenster besaßen und die Schießscharten keine ausreichende
Belüftung der Räume zuließen, war man auf eine künstliche
Ventilation angewiesen. Problematisch war die Belüftung während
einem Gefecht, bei dem die eigenen Waffen große Mengen giftiger
Schussgase freisetzten, die in den engen Räumen nicht von alleine
abziehen konnten. Die größte Sorge jedoch galt der Abwehr eines
Gasangriffs. Zwar war der Einsatz von Giftgasen in dieser Zeit
international geächtet, die Italiener hatten jedoch in der 12.
Isonzoschlacht im Jahr 1917 grausame Erfahrungen mit den
Gasangriffen deutscher Pioniere machen müssen. Hierbei waren die
Besatzungen ganzer Kavernen und Unterstände ums Leben gekommen.
Aus diesem Grund wurde bei
den Bauwerken vom Typ 200 und 15000 auf die Abwehr der Gasgefahr
großes Augenmerk gelegt. Jedes Werk besaß einen inneren Kern, der
gegenüber der Außenluft hermetisch abgeschlossen war und eine
unabhängige Luftversorgung besaß. Zu diesem inneren Kern gehörten
die Truppenunterkünfte, Sanitäts- und Kommandoräume, Lager für
Lebensmittel, Wasser und die Munitionslager. Anlagen, die selbst
schädliche Gase entwickeln konnten, wurden außerhalb dieses inneren
Kerns gelegt. Hierzu gehörte das Stromaggregat, die Küche und die
Latrine. Von diesen Räumen führten eigene Zu- und Abluftrohre ins
Freie. Da ein Gasangriff in der Praxis nur eine begrenzte Zeit
dauern konnte, glaubte man auf das Betreten dieser Räume zeitweise
verzichten zu können. Für die Kampfstände wurde eine besondere
Lösung gefunden: Die Waffen produzierten beim Schießen selbst so
viel Kohlenmonoxid, dass die Lüftungsanlage damit überfordert war.
Hier leitete man die gefilterte Frischluft über Rohre und Schläuche
direkt an die Gasmasken der Bedienung, so dass nur die von ihnen
tatsächlich verbrauchte Luft zugeführt werden musste. Für die
Bedienung hatte dies den Vorteil, dass der lästige Atemwiderstand
wegfiel, den ein Gasmaskenfilter sonst bietet. Dass jedoch die
Einschränkung der Bewegungsfreiheit als sehr unangenehm empfunden
wurde, kann man sich leicht vorstellen.

Auf diesem Gestell war früher der Ventilator installiert, im
Unterteil wurden vier große Filterpatronen eingesetzt. Die Spuren
weitere Installationen an den Wänden zeigen, dass diese Anlage
einmal vollständig eingerichtet war
Die Abschottung des inneren Kerns erfolgte durch gasdichte
Stahltüren, die als Schleusen jeweils paarweise hintereinander
lagen. Solche Schleusen trennten bei weitläufigen Anlagen auch die
Kampfstände zum inneren Kern ab. Die Gasschutztüren aus 5 mm starkem
Stahlblech besaßen Gummidichtungen und Schaulöcher, die man öffnen
konnte, um eine mit Giftgas gefüllte Schleuse durch eingeblasene
Frischluft reinigen zu können.

Eine schwere Gasschutztür verschließt den Haupteingang in einem
Artilleriewerk. Der Schließmechanismus drückt die Tür an acht
Punkten gegen die Gummidichtungen des Türrahmens. Ein Guckloch
erlaubte eine bescheidene Verständigung mit Handzeichen und ein
Entlüften der Schleuse.
Die Frischluft wurde durch
Rohre in der Nähe des Eingangs angesaugt. Die Abluft wurde über die
Werksdecke abgeführt, die Rohrmündungen waren dort mit speziellen
Panzern gegen mögliche Pionierangriffe mit Sprengmitteln gesichert.
Das Kernstück der Lüftungsanlage bildeten ein oder mehrere
Ventilatoren, die meist in der direkten Nähe zu den
Truppenunterkünften lagen. Jeder Ventilator wurde durch einen
300-W-Elektromotor angetrieben. Diese Geräte waren naturgemäß sehr
laut, was bei ihrer Lage in der Nähe der Schlafräume als sehr lästig
empfunden werden musste. Die Besatzung konnte dadurch jedoch
jederzeit sehen, ob der Motor noch funktionierte, oder ob sie den
Ventilator mit Hand betreiben mussten.

Die Ansaug- und Auslassöffnungen der Ventilation waren mit solchen
Lüftungspanzern gesichert. Sie sollten verhindern, dass
Sturmpioniere Sprengladungen oder Nebelkerzen in die Öffnungen
steckten, um die Besatzung auszuräuchern. Viele Panzerungen wurden
jedoch nicht mehr montiert.
Bei Gasgefahr wurde die Luft
über Filterbatterien geleitet. Die Beladung dieser Filter mit
Aktivkohle und Schwebstofffiltern glich denen der Gasmasken und
schütze gegen die damals geläufigen Kampfgase außer Kohlenmonoxid.
Die Luft wurde nach dem Filtern über ein Rohrsystem in die
verschiedenen Räume geleitet. Als einmalige Besonderheit in der
europäischen Festungsbaukunst konnte bei einigen Werken die
Lüftungsanlage auf reinen Umluftbetrieb geschaltet werden. Dazu
wurde das Ventil in der Abluftleitung geschlossen und die Innenluft
über Regeneratoren zurückgeleitet. Diese Regeneratoren waren mit
Chemikalien gefüllt, die das Kohlendioxid aus der Atemluft
absorbierten und dafür die gleiche Menge an Sauerstoff abgaben. Der
Vorteil dieses Umluftsystems war, dass die Luftfilter bei einem
gezielten Gasangriff auf die Ansaugöffnungen entlastet wurden. Die
Regeneratoren waren in rechteckigen Kartuschen eingefüllt. Eine
Kartusche konnte etwa 100l Kohlendioxid gegen Sauerstoff
austauschen. Diese Menge reichte für fünf Männer etwa eine Stunde
lang aus. Die Regeneratoren waren in Batterien mit bis zu 10
Kartuschen angeordnet, so dass die gesamte Werksbesatzung etwa ein
bis zwei Stunden von der Außenluft unabhängig war. Ab der Baureihe
15000 wurde dieses System allerdings nicht mehr verwendet.

Schematische Darstellung des Lüftungssystems:
A)
Frischluftansaugung, (2) Gasschutzschleuse mit zwei
luftdichten Stahltüren, (3) Luftfilter, (4) chemische Regeneratoren,
(5) Stellventil für die Betriebsarten Frischluftzufuhr,
Filterbetrieb, Umluftbetrieb mit Regenerator, (6) Ventilator, (7)
Luftzufuhr in die Unterkünfte, (8) Luftabfuhr aus den Unterkünften,
(9) Abluftleitung mit Absperrventil, (10) Kampfraum mit
Gasmaskenanschluss.
B)
Vereinfachte Lüftung der Nachkriegszeit: (11) Handlüfter,
(12) Gasmaske mit Filter, (13) Zuluft, (14) Abluft
Nach dem Zweiten
Weltkrieg wurde das Konzept des Gasschutzes geändert: Die
Ventilation erfolgte nun dezentral vor jedem einzelnen Kampfstand
mit handbetriebenen Lüftern. An den Stellen, an denen zuvor die
Gasmasken mit Schläuchen an das Rohrnetz angeschlossen wurden,
wurden nun die üblichen Gasmaskenfilter dazwischen geschaltet. Eine
Luftfilterung für das Gesamtwerk gab es nicht mehr, sie wurde wohl
als zu aufwändig erachtet.

Nach dem Krieg wurde für jeden Kampfstand ein eigener
handbetriebener Lüfter eingebaut. Die Zentrifugallüfter machten im
Betrieb einen infernalischen Lärm, der für die Besatzung eine
zusätzliche Erschwernis darstellte. Eine Inschrift besagt, dass die
Kurbel mit 40 Umdrehungen je Minute zu betreiben sei.

Über der Panzerplatte mündet die Zuleitung für die Frischluft. Die
Gasmasken wurden mit Schläuchen an die drei Filterpatronen
angeschlossen.
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