Der Alpenwall in Südtirol

 

Tarnen und Täuschen

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Ulrich Mößlang der Tauchbrillenspezialist

 

Ein ganz besonderes Kapitel des Vallo Alpino ist die Tarnung seiner Bauwerke. Diese oft sehr gelungene Tarnung ist heute einer der Gründe, warum seine Existenz einem Durchreisenden oft gar nicht bewusst ist: Er hat die Bauwerke einfach noch nicht wahrgenommen! Schon vor den ersten Baumaßnahmen wurde von einer speziellen Tarntruppe geplant, wie die Bauwerke unauffällig in die Landschaft integriert werden konnten. Bei den Kavernenwerken richtete sich die Lage eines Kampfstands nicht ausschließlich nach der günstigsten Waffenwirkung in das Vorfeld, sondern auch nach einer möglichst unauffälligen Integration in das Gelände. Die Baudurchführung wurde so geplant, dass möglichst nur geringe Veränderungen der Landschaft vorgenommen werden mussten. Bei Kavernenwerken mussten anschließend hauptsächlich die Waffenscharten und Eingänge getarnt werden. Betonbauwerke wurden durch Bepflanzung mit heimischen Gewächsen der Landschaft angeglichen. Die Wände selbst wurden auch mit ortsüblichen Gesteinen verblendet, mit Erdreich angeschüttet oder aber es wurden mit Erde gefüllte Taschen in das Mauerwerk eingelassen, die mit Kräutern oder Farnen bepflanzt wurden. Die mächtigen Waffenscharten mit ihren typischen geometrischen Formen wurden mit Läden verschlossen, die mit Maschendraht bespannt waren. Auf dieses Geflecht wurde eingefärbter Zementmörtel aufgetragen, der in Form und Farbe dem Umgebungsgestein glich. Wenn solche Blenden heute noch vorhanden sind, sind diese Scharten für das ungeübte Auge extrem schwer zu erkennen.


Die Panzertür des Werks Nr. 14 am Reschenpass ist durch die kunstvoll modellierte Felsattrappe  nur aus nächster Nähe zu erkennen. Auch der umgebende Felsen ist künstlich geschaffen. Erst nach dem Öffnen offenbart sie ihr Geheimnis. Die Tarnung stammt noch aus den 40er Jahren.

Im militärischen Sprachgebrauch unterscheidet man zwischen Tarnen und Täuschen. Tarnen bedeutet, etwas zu verstecken, indem man es seiner natürlichen Umgebung anpasst. Unter Täuschen versteht man, einen Gegenstand als etwas ganz anderes, harmloses auszugeben, ohne dass er eigentlich unsichtbar wird. Einige Bauwerke wurden zur Täuschung als Häuser, Schuppen oder Heuschober verkleidet. Obwohl diese sehr einfallsreiche und kunstvolle Maßnahme auf den ersten Blick sehr wirksam aussieht, hat sie doch einen schwerwiegenden Nachteil: Ein gegnerischer Richtschütze, der einmal erkannt hat, dass aus einem freistehen Schuppen auf einer Almwiese geschossen wird, wird diesen Schuppen immer wieder ohne Schwierigkeiten als Ziel wieder erkennen und erfassen können. Eine in einer Felswand verborgene MG-Scharte hingegen ist durch ein Zielfernrohr betrachtet immer schwer zu finden und zu bekämpfen.


Das Werk Nr. 18 der Sperrgruppe Mals wurde als ACQUEDOTTO COMUNALE, als kommunales Wasserwerk getarnt. Das restliche Mauerwerk war ursprünglich unter bemalten Holzbrettern versteckt, die ein ziviles Bauwerk vortäuschen sollten. Spätestens nach dem ersten Schuss aus den Schießscharten wäre diese Täuschung wertlos geworden.

Die Betonbauwerke waren durch Erdaufschüttungen und Bewuchs in Feindrichtung getarnt, problematisch war hierbei, dass der Bewuchs unter Umständen das eigene Schussfeld einschränkte und zugleich einem Gegner das unbemerkte Annähern erleichterte. Schwierig zu tarnen waren Scharten und Eingänge zu Durchgangsstraßen hin. Der Vorschlag, diese Öffnungen als Plakatwände zu verblenden, täuschte wahrscheinlich keinen Gegner nachhaltig.

Der Besucher Südtirols trifft heute bezüglich der Tarnung drei Klassen von Baumwerken: Die ersten Klasse liegt meist grenznah und wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg vom italienischen Militär genutzt. Hier wurden die ursprünglichen Blenden durch modellierte und bemalte Läden aus Kunstharz ersetzt. Die Jahrzehnte haben den Bewuchs wuchern lassen, so dass sich in Felswände integrierte Anlagen nur dem vorgewarnten und misstrauischen Auge offenbaren. Die zweite, seltenere Klasse besitzt noch die Originaltarnung und ist ebenfalls schwer zu entdecken. Häufiger findet man in den hinteren Linien die Bauwerke der dritten Art: Diese sind bis Kriegsende nicht fertiggestellt worden und später auch nicht vom Militär genutzt worden. Sie sind durch hoch aufragende Wände und glatte Betonflächen leichter zu entdecken. Hier zeigt sich deutlich, um wie viel unauffälliger Kavernenwerke auch in diesem unfertigen Zustand versteckt werden konnten.

Technische Einrichtungen des Alpenwalls

 

 

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