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Schon in den 20er Jahren
bauten die Italiener das Straßennetz in Südtirol unter strategischen
Gesichtspunkten aus. Ab 1934 wurden in den Talböden der
Haupteinfallstäler am Reschen- und Brennerpass sowie im Pustertal
Befestigungen vom Typ 200 errichtet, die Gesamtzahl belief sich
allerdings auf nur 9 Werke. Bis 1937 stieg die Zahl durch Bauten des
Typs 450 (ähnlich dem Typ 7000) auf 20 Anlagen, im Jahr 1938 zählte
man schon insgesamt 47 Bunker. Der Befehl zur massiven Befestigung
der Grenze zum Deutsche Reich wurde vom Duce am 21.11.1939 gegeben,
dies war die eigentliche Geburtsstunde des Vallo Alpino del Littorio
in Südtirol.
Die Entwicklung des
Alpenwalls und sein Baufortschritt in Südtirol gehen aus
verschiedenen Berichten des italienischen Militärs hervor. General
Gamalerie vom IV. Armee-Korps in Bozen berichtet schon am 23.1.1940
davon, dass 66 neue Werke vor der Vollendung ständen und 250 weitere
noch errichtet werden sollten. Offensichtlich hatte man schon vor
dem 21.11.1939 die Anstrengungen zur Befestigung der Nordgrenze
verstärkt! Die Bauausführung erfolgte nur noch gemäß den
erweiterten Anforderungen des Rundschreibens 15000. Dies bedeutete
jedoch auch, dass etliche bestehende Bauprojekte umgearbeitet oder
ergänzt werden mussten.
Für den Bau wurden zuerst
die Standorte der Festungswerke von Militärkommissionen festgelegt.
Die Grundstücke wurden angekauft oder enteignet, was besonders die
Bauern hart traf, die auf das Land als Erwerbsgrundlage angewiesen
waren. Für die zahlreichen Arbeiter der italienischen Baufirmen
mussten Unterkunftslager errichtet werden. Für die harte und
manchmal auch gefährliche Arbeit wurden hohe Löhne bis zu 50 Lire am
Tag gezahlt. Diese Gehälter waren auch für die einheimischen Bauern
interessant, es wurden jedoch offenbar keine Südtiroler eingestellt,
die für Deutschland optiert hatten!
Der Bau gestaltete sich als
recht schwierig: Die Zufahrtsstraßen zu den Baustellen mussten
teilweise noch errichtet werden. Da der Beton nur bis zu
Temperaturen von minus 5°C verarbeitet werden konnte, war die
Bautätigkeit im Hochgebirge besonders im Winter zeitlich stark
eingeschränkt. Am 10.6.1940 waren in Südtirol insgesamt schon 161
Werke fertiggestellt, zeitweise arbeiteten bis zu 19 000 Menschen
auf den Baustellen. Während des Winters 1940/41 wurde die
Bautätigkeit wegen der Witterung eingestellt. Am 16.6.1941 wurde der
Baubeginn neuer Werke auf höchsten Befehl hin verboten, nur die
Fertigstellung angefangener Befestigungen und Straßenbaumaßnahmen
war weiterhin erlaubt. Die Ursache hierfür lag wohl in der sich
erschöpfenden Wirtschaftskraft Italiens, die durch die Feldzüge auf
dem Balkan und in Nordafrika stark in Mitleidenschaft gezogen war.
Am 25.7.1941 berichtet General Roatta, dass die meisten Werke im
Rohbau fertig gestellt seien. Die Ausrüstung der Werke mit Waffen
und Einrichtungen hinkte jedoch stark hinterher. In der 3.
Verteidigungslinie wurde oft nur jeweils ein Werk je Sperrgruppe
vollständig mit Gas- und Luftdrucktüren, elektrischer Einrichtung,
Küche usw. ausgerüstet. Auch heute noch finden sich viele Werke der
hinteren Linien in unterschiedlichen Ausbauzuständen bis hin zum
Rohbau. In einem Bericht des Chefs des Generalstabs General Ambrosio
vom 3.10.1942 wird bemängelt, dass die Ausdehnung der Sperrgruppen
an den Flanken unzureichend sei, so dass sie leicht umgangen werden
könnten. General Ambrosio zog die folgende Bilanz: “Nach den
neuesten Kriegserfahrungen scheint der Alpenwall vor allem durch den
Mangel an Panzerabwehr und an der Nahverteidigung gegen
Sturmpioniere an Bedeutung zu verlieren.“ In diesem Bericht wird der
geplante Bau von weiteren etwa 900 Befestigungsanlagen an der
deutsch-italienischen Grenze erwähnt. Der Alpenwall veraltete also
schneller, als er gebaut werden konnte!
Den deutschen Verbündeten
blieben diese gewaltigen Baumaßnahmen nicht verborgen. Mit der
zunehmenden Verschlechterung der militärischen Lage im
Mittelmeerraum nahmen die deutschen Proteste gegen den Bau des
Alpenwalls zu. Am 4.10.1942 gab Mussolini dem Drängen Hitlers nach
und befahl die endgültige Einstellung aller Arbeiten am Vallo Alpino
an der deutschen Grenze. Offensichtlich wurden danach nur noch
kleinere Arbeiten wie die Vervollständigung der Tarnung durch das
Militär selbst weitergeführt. Auch wurde die Planung für die
Erweiterung der Sperrgruppen an den Flanken weiter getrieben.
Insgesamt wurden in Südtirol
etwa 300 Infanteriewerke gebaut, die allerdings zu einem großen Teil
nicht mehr mit ihren technischen Ausrüstungen wie Lüftungsanlagen
und Stromversorgung ausgestattet wurden. Etwa 80 weitere
Infanteriewerke wurden nicht mehr fertig gestellt. Meist waren dies
Kavernenanlagen, bei denen nur die Stollen miniert wurden, aber
keine Kampfstände mehr betoniert wurden. Von den 27 Artilleriewerken
bleiben sogar 19 als Stollenanlagen unvollendet. Ausgerüstet wurden
die Artilleriewerke meist nicht mehr, da hier vor allen Dingen die
Schartenpanzer und Geschützlafetten nicht mehr geliefert werden
konnten.
Wenn man bedenkt, dass das
Gros der Werke in der kurzen Zeit zwischen Januar 1940 und Juni 1941
gebaut worden ist, so ist dies alleine schon eine bemerkenswerte
Leistung. Hierbei muss man auch bedenken, dass die technischen
Hilfsmittel zu dieser Zeit mit dem heute üblichen Maschineneinsatz
nicht zu vergleichen waren.
Die kriegerischen Ereignisse von 1943 und 1945 in Südtirol |