Der Alpenwall in Südtirol

 

Kampfstände für MG und Gewehr

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Ulrich Mößlang der Tauchbrillenspezialist

 

Generell wurde jede Waffe innerhalb einer Festungsanlage wie Maschinengewehr, Panzerabwehrkanone oder Artilleriegeschütz in einem eigenen Kampfstand eingesetzt, so dass ein unglücklicher Volltreffer nur einen Teil der Gesamtbewaffnung außer Gefecht setzen konnte. Eine Ausnahme bildete der Gewehrstand für die Nahverteidigung, in dem mehrere Schnellfeuergewehre vorgesehen waren. Da dieser Kampfstand jedoch an der dem Feind abgewandten Seite lag, war er gegen direkte Volltreffer weitgehend geschützt.

Die Infanteriewaffen wie Maschinen- und Schnellfeuergewehre wirkten beim Vallo Alpino hauptsächlich durch Mauerscharten. Panzertürme waren eine seltene Ausnahme. Die Scharten waren in ihrer Formgebung dem geforderten horizontalen und vertikalen Wirkungsfeld angepasst und daher sehr individuell ausgebildet. Die Scharten für Schnellfeuergewehre dienten der Nahverteidigung und lagen flankierend zum rückwärtigen Eingang oder neben besonders gefährdeten MG- oder Geschützscharten. Hierzu wurden gemäß den Anforderungen des Rundschreibens Nr. 600 vom März 1940 oft erkerförmig hervorspringende Gewehrstände gebaut, die bis zu fünf Schießscharten besaßen. Da diese Erker meist auf der geschützten Rückseite eines Werks lagen, waren deren Scharten nicht mit Stahlpanzern geschützt oder gar verschließbar, sondern einfach aus Beton geformt. Diese Sparmaßnahme hätte sich bei einem beherzten Nahangriff eines Gegners möglicherweise fatal ausgewirkt.


Je ein Gewehrstand sichert die Eingänge des Werks Nr. 1 am Kreuzbergsattel. Da sie an der dem Feind abgewandten Seite des Werks liegen, sind ihre Scharten nicht mit Stahlpanzern armiert. Die glatten Betonwände hätten zur Tarnung noch mit Naturstein verblendet werden sollen.

Die Kampfstände für MG waren dagegen deutlich besser geschützt. Die Räumchen boten gerade Platz für den Schützen und den Ladeschützen. Die Mauerstärke richtete sich nach der erwarteten Gefährdung durch gegnerisches Artilleriefeuer und betrug zwischen 1,50 m und imposanten 3,50 m. Starke Wände zogen jedoch auch weite und hohe Schartenmündungen nach sich. Diese konnten ohne weiteres drei Meter breit und zwei Meter hoch sein. Die Scharten waren zur Tarnung mit Holzläden verschlossen, die mit Maschendraht und modellierter Betonmasse verkleidet waren. Dies ermöglichte die Ausformung als Fels oder sonstiges Gestein, um die verräterischen Öffnungen dem Gelände anzupassen. Diese Läden ließen sich jedoch von innen weder öffnen noch verschließen. Von innen war die Wand durch eine große Panzerplatte verstärkt. Für die Lage der Schießscharte in der Wand wurde übrigens eine durchschnittliche Größe des Schützen von 165 cm angenommen! Man unterschied drei Typen von Panzerplatten:

 

·         Die flache Panzerplatte (piastra piana),

·         die gewölbte Panzerplatte (piastra scudata)

·         und die dreiteilige Panzerplatte (piastra in tre parte).

 

Die flache Panzerplatte stellte die schwächste Ausführung dar und war für flankierenden Beschuss vorgesehen, bei dem kein direktes gegnerisches Artilleriefeuer erwartet wurde. Sie wurde erst ab 1935 wohl aus Gründen der Materialeinsparung eingesetzt. Die Platte aus Chrom-Nickel-Stahl war 130 cm breit, 110 cm hoch und je nach Ausführung 5 bis 7 cm stark. Das niedrige Gewicht von 800 kg erlaubte den Transport und den Einbau auch in schwer zugänglichen Gebirgsstellungen. Der horizontale Richtbereich betrug meist 60°. 

Das MG wirkte durch eine Schartenöffnung von 20 cm mal 17,5 cm Größe. Diese verhältnismäßig große Scharte war wegen des dicken Wassermantels des MG Fiat Modell 14 notwendig und stellte einen systematischen Schwachpunkt aller MG-Scharten des Vallo Alpino dar. Eine Schartenblende, die die offene Fläche zwischen der Waffe und der Panzerplatte sicher abgeschlossen hätte, gab es nicht. Auch konnte die Öffnung nach dem Zurückziehen der Waffe nicht verschlossen werden. General Roatta forderte zwar im noch im Jahr 1941, dass die Scharten hermetisch geschlossen werden können müssten, diese Forderung wurde jedoch nicht mehr umgesetzt. Wenn diese Scharte durch das Feuer eines gegnerischen MG’s oder einer Maschinenkanone erfasst worden wäre, wäre ein Aufenthalt im Inneren schon wegen der dort herumschwirrenden Querschläger unmöglich gewesen. Die Besatzung hätte sich dann nur noch durch das Verlassen des Kampfstandes retten können!


Ein Blick in das Innere eines MG-Kampfstandes mit flacher Panzerplatte. Die Platte mit einer Höhe von 110 cm und einer Breite von 130 cm ist fast vollständig in die Betonwand eingelassen. Da bei direkten Treffern auf die Panzerplatte gefährliche Betonsplitter nach innen abplatzen konnten, wurde diese Bauweise nur bei flankierenden Waffen verwendet. Unter der Scharte hängen noch die Original-Anschlüsse für die Gasmasken aus den 40er Jahren. Die Aufnahme stammt aus dem Werk Nr. 3 der Sperrgruppe Cima Banche.

Ein besonderer Auswurf für die verschossenen Patronenhülsen, die große Mengen giftiger Gase von sich gaben, war nicht vorgesehen. Ein Abtransport der Patronenhülsen war wegen der Gasschleusen ebenfalls nicht leicht zu bewerkstelligen. Weiterhin fehlte eine zweite Beobachtungsmöglichkeit in den Kampfständen, die den MG-Schützen von der Doppelaufgabe entlastet hätte, sich auf ein Einzelziel zu konzentrieren und gleichzeitig das großräumige Kampfgeschehen im Auge zu behalten. Bei der „Sparversion“ der Kampfanlagen vom Typ 7000 (Pariani-Stände) wurde dieser Panzertyp sogar in frontal wirkenden Positionen verwendet.


Ein Bauer in Slowenien hat eine flache MG-Panzerplatte in seinem Vorgarten (allerdings hochkant) ausgestellt. Mit den beiden langen Lochreihen war die 800 kg schwere Platte mit zwei T-Trägern verschraubt, die ihrerseits tief in der Betonwand verankert waren. An den beiden kleinen Löchern an der Kampfscharte wurde die Festungslafette des Maschinengewehrs festgeschraubt.

Die gewölbte Panzerplatte wurde seit 1932 eingesetzt und war ähnlich einem Schild nach außen gewölbt. Ihre Stärke von 20 cm Chrom-Nickel-Stahl sollte auch gegen große Kaliber schützen. Sie war an besonders gefährdeten Stellen, meist frontal wirkend eingebaut. Diese Panzerplatte wurde in zwei Versionen hergestellt, die sich im vertikalen Schussfeld unterschied und je nach Geländesteilheit verwendet wurde. Die Version A war für flaches Gelände vorgesehen, die Version B für abfallendes. Während man bei den Festungslinien anderer Staaten den Bau der leicht verwundbaren frontal wirkenden Waffen möglichst vermied, ist diese Frontalwirkung beim Vallo Alpino eher die Regel. Die Platte wog 3,1 t. Die Lafette für das Maschinengewehr war an der Platte verschraubt, der horizontale Richtbereich betrug ebenfalls maximal 60°. Auch bei diesem Modell war keine Schartenblende und kein Verschluss vorgesehen.


Ein Kampfstand für MG mit einer 20 cm starken gewölbten Panzerplatte Ausführung B in Werk Nr. 3 bei Cima Banche. Die Panzerwand hat wegen der möglichen Splitterwirkung keine innere Betonauflage. Auch hier sind noch die Anschlüsse für die Frischluftversorgung aus den 40er Jahren vorhanden.

Bei geringen Wandstärken wurden die Decke und die Wände im Anschluss an die Schartenplatte nach innen mit T-Trägern verstärkt. Dies diente hauptsächlich dazu, bei einem schweren Treffer das Abplatzen von Betonstücken an der Innenseite zu verhindern. Diese Bauweise ist jedoch nur bei den älteren Werken vom Typ 200 angewendet worden. In der Decke des Kampfstandes findet sich ein Abzugsloch für die Schussgase, die ja nicht mit künstlicher Ventilation abgesaugt oder ausgeblasen wurden. Manchmal kann man auf der Innenseite über der Schießscharte ein erhabenes Dreieck ertasten. Es handelt sich hierbei um das Firmensignet der Stahlschmiede Vanzetti[1] aus Mailand.


E
ine Detailaufnahme der kleinen Schießscharte verdeutlicht, warum die gewölbte Panzerplatte auch Minimalschartenplatte genannt wurde. Diese Scharte wirkte in flaches Gelände, daher ist der vertikale Richtbereich mit nur 15° sehr klein. Um die Scharte herum war der Beton mit Moniereisen armiert.

Die dreiteilige Panzerplatte wurde aus einfachem Gussstahl hergestellt und fand schon seit 1932 Verwendung. Man findet sie in Südtirol nur in den wenigen Werken vom Typ 200, sie wurde später von der flachen Panzerplatte abgelöst. Die drei Teile wogen zusammen 3,2 t. Auch dieses Panzerteil wurde in zwei Varianten mit unterschiedlichem vertikalen Richtbereich hergestellt. Die Dreiteilung ermöglichte den Transport der Panzerteile in schwer zugängliche Gebirgsstellungen. In Südtirol gehört diese Variante zu den raren Ausnahmen.


Dreiteilige Panzerplatte im Werk Nr. 21/20 in Vierschach. Die Scharte wurde nach dem Krieg von innen provisorisch verschlossen, das Drahtseil erlaubt es, die Tarnblenden von innen zu öffnen. An der Decke erahnt man die Verstärkung der Decke mit T-Trägern, ein Luxus, dem man sich nur bei den alten Werken des Typs 200 erlaubte.


Die Maschinengewehrpanzerungen der Betonkampfstände:

A)      Flache Panzerplatte in einem Beton-Kampfstand: Hier ist das luftgekühlten MG Fiat Modell 14/35 eingesetzt. Die Panzerplatte in der Version A für flaches Gelände erlaubte einem vertikalen Richtbereich von +/- 15°. Die seitliche Nische ist für das Kühlwasser der wassergekühlten älteren Ausführung des MG’s sowie für die Waffe und die Munition vorgesehen. Der Kampfstand ist mit einer Gasschutztür verschlossen.

B)      Dreiteilige Panzerplatte mit dem wassergekühlten  MG FIAT Modell 14 in der Ausführung B mit vertikalem Richtbereich von 0° bis –30°. Teil 1 hatte ein Gewicht von 1060 kg und eine Stärke von 10 cm, Teil 2 wog 1500 kg und Teil 3 640 kg.

C)      Gewölbte Panzerplatte in der Version B für abfallendes Gelände mit luftgekühltem MG Fiat Modell 14/35. Der vertikale Richtbereich betrug 0° bis –30°. Auch hier ist die Betonscharte mit einem Stahlgeflecht verstärkt.

Für den Fall, dass wegen schlechter Möglichkeiten der Tarnung keine hoch aufragenden Kampfstände aus Beton errichtet werden konnten und die Örtlichkeiten keine Felskavernen zuließen wurden stählerne Panzerkasematten oder Panzertürme verwendet. Diese Bauteile waren wegen der großen notwendigen Stahlmassen kostspielig und wurden in Südtirol sehr selten eingesetzt. 

Die Panzerkasematte wurde als zweiteilige Version mit einem 20 t schweren Oberteil aus Chrom-Nickel-Stahl und einem 10 t schweren Unterteil aus Gussstahl von den Fiat-Werken in Turin hergestellt. Die Stärke des Panzers betrug maximal 30 cm, die Panzerkasematte galt somit als sicher gegen den Beschuss mit schweren Kalibern. Um Transportprobleme im Hochgebirge zu umgehen wurde auch eine vierteilige Variante produziert, die allerdings mit 20 cm Panzerstärke weniger robust gegen schweren Beschuss war. Bei dieser Version wogen die einzelnen Teile jeweils etwa 5,5 t. Die Kasematte war mit einem MG bewaffnet, der horizontale Schussbereich betrug 60°. Die Kuppel wurde so in den schräg ansteigenden Beton eingelassen, dass nur noch die MG-Scharte sichtbar war. Der Kampfraum war für die zwei Mann der Bedienung sehr eng bemessen. In Südtirol wurde die Panzerkasematte nur in einigen frühen Werken vom Typ 200 eingebaut.


Von dieser vierteiligen MG-Kasematte des Werks Nr. I am Reschenpass lugt nur die Scharte aus der Almwiese. Dieser kostspielige Kampfstand findet sich nur in den wenigen Werken des Typs 200 aus der Zeit vor 1938. Die Panzerglocke ist mit 20 cm Chrom-Nickel-Stahl gepanzert, sie reicht vier Meter in die Tiefe. Insgesamt wiegt diese Konstruktion etwa 22 t. Die MG-Scharte ist auf eine Entfernung von 20 m praktisch nicht mehr zu sehen.


Ein
Blick in den Aufstieg zum Podest der MG-Kasematte des Werks Nr. III am Reschenpass. Durch das Rohr unten rechts im Bild wurde die Frischluft für die beiden MG-Schützen eingeblasen.  Die Seilrolle rechts diente dem Heraufhieven des Maschinengewehrs und der Munition sowie dem Abseilen eines möglichen Verwundeten. Die beiden Hebel links neben der Einstiegsluke erlaubten es, die Klappe notfalls auch nach unten zu öffnen, wenn sie nach oben durch einen verwundeten Soldaten blockiert sein sollte

Der MG-Turm ist ein waffentechnisches Sahnestückchen des Alpenwalls. Die vier Scharten lagen in drehbare Panzerblenden mit einem Schussfeld von jeweils 100°. Es konnten zwei gegenüberliegende MG gleichzeitig besetzt werden, nebeneinander liegende Scharten konnte wegen der beengten Verhältnisse jedoch nicht zur gleichen Zeit eingesetzt werden. Wenn das MG nicht in der Scharte eingesetzt war, konnte die Panzerblende so gedreht werden, dass die Öffnung nach innen wies und die Scharte somit wirklich geschlossen war. In Südtirol gehört dieser Panzer zu den echten Raritäten. An manchen Werken findet man noch die vorbereiteten Schächte, in die diese Panzerteile dann aber wegen des Materialmangels nie eingebaut wurden. Hergestellt wurde der Turm in vier unterschiedlichen Varianten:

 

Modell

Oberteil

Unterteil

Beschussfestigkeit

1

20 cm Cr-Ni 16 t

10-15 cm Gussstahl 16,7 t

große Kaliber

2

20 cm Gussstahl

10 cm Gussstahl

mittlere Kaliber

3

8 cm Gussstahl 7,5 t

nur ein Teil!

kleine Kaliber

4

15 cm Cr-Ni 13,5 t

10-15 cm Gussstahl 16,7 t

mittlere Kaliber

 
Panzerkasematte und Panzerturm für MG:

A)      Vierteilige Panzerkasematte Typ A mit MG Fiat Modell 14/35. Die Panzerteile 1 bis 4 wogen jeweils etwa 5,5 t, die Panzerstärke betrug maximale 20 cm. Der Typ B hatte einen vertikalen Richtbereich von 0° bis –30° für abfallendes Gelände.

B)      MG-Turm Modell 1: (1) Panzeroberteil mit einem Gewicht von 16,0 t, (2) Panzerunterteil mit 16,7 t, (3) Schartenblende mit dem wassergekühlten MG Fiat Modell 14, (4) Schartenblende in geschlossener Stellung mit einem von Gewicht 560 kg.

Beim leichten Typ 3 fehlte das Unterteil, so dass dieser Panzer in Werke mit relativ dünner Decke eingebaut werden konnte. Die drehbare Panzerscharte wog statt 560 kg hier nur 320 kg.


Schießscharte eines MG-Turms des Werks Nr. 3 bei Toblach, hier in der leichten Ausführung Typ 3. Die Scharte ist in Schießposition gedreht.

Um das Annähern des Gegners aus toten Winkeln des Werks zu verhindern, wurden ab Frühjahr 1940  Handgranatenauswürfe eingebaut. Dies waren einfache Rohre in den Wänden mit einem Gefälle nach außen, durch die Eierhandgranaten geworfen oder gerollt werden sollten. Die Rohre hatten einen Durchmesser von 20 cm, einen speziellen Auswurfmechanismus besaßen sie nicht. Für einen beherzten Sturmpionier wäre es bei einem Angriff ein leichtes gewesen, diese Einrichtung durch einfaches Zustopfen der Auswurfmündung unschädlich zu machen, wie es beim Sturm der deutschen Sturmpioniere auf die griechische Metaxas-Linie geschehen war.

[1] SFMA Vanzetti „Societa Fonderia Milanese di Acciaio Vanzetti“

Beobachtungsstände

 

 

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