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Um die seltsame Geschichte der
italienischen Bunker, die in einem deutschsprachigen Gebiet gegen
einen deutschen Verbündeten errichtet wurden verstehen zu können,
soll an dieser Stelle eine kleine Einführung in die geschichtlichen
Hintergründe gegeben werden.
Italien ging 1918 an der Seite der
Alliierten Frankreich, England und der USA als Siegermacht aus dem
Ersten Weltkrieg hervor. Im Frieden von St. Germain vom 10.9.1919
wurde Südtirol von Österreich-Ungarn zu Italien geschlagen. Nach der
Machtübernahme der Faschisten in Italien unter dem „Duce“ Benito
Mussolini, die sich am 28.10.1922 durch den so genannten „Marsch auf
Rom“ manifestierte, kühlte sich das Verhältnis zum französischen
Nachbarn stark ab. An dieser Grenze begann Italien daher schon ab
1925 mit dem Bau der ersten modernen Festungen. Diese Befestigungen
wurden dort ab 1931 unter dem Begriff „Vallo Alpino“ in vermehrtem
Maße errichtet. Als Jugoslawien sich in den frühen 30er Jahren
politisch stark an Frankreich annäherte, wurde der Bau des
Alpenwalls auch auf diese Grenze ausgedehnt.
Der Überfall Italiens auf das afrikanische
Königreich Abessinien (3.10.1935), die politische Annäherung an das
ebenfalls faschistische Deutsche Reich mit der Gründung der so
genannten Achse Berlin-Rom (1.11.1936) sowie der Austritt aus dem
Völkerbund (11.12.1937) isolierten Italien mehr und mehr im
weitgehend demokratischen Europa. Im Gegenzug wurde die Bindung an
das Deutsche Reich immer stärker und gipfelte am 22.5.1939 in dem
Abschluss des so genannten „Stahlpaktes“ als einem militärischen
Bündnis zwischen den beiden Staaten. Gleichwohl war diese neue
Waffenbrüderschaft immer vom Misstrauen Mussolinis gegenüber dem
machthungrigen und unberechenbaren Partner Hitler gekennzeichnet.
Hitler pflegte den Duce stets vor vollendete Tatsachen zu stellen,
ohne ihn zuvor in seine Pläne einzuweihen. So wurden am 13.3.1938
durch den so genannten „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich
Italien und Deutschland unmittelbare Nachbarn, ohne dass Mussolini
vorher informiert war. Auch der Überfall Hitlers auf Polen am
1.9.1939, der zum endgültig Ausbruch des Zweiten Weltkriegs führte,
blieb dem Duce zuvor verborgen. Spätestens der Einmarsch der
sowjetischen Roten Armee in Ostpolen am 17.9.1939, den Hitler schon
am 23.8.1939 mit seinem Erzfeind Stalin im geheimen vereinbart
hatte, musste Mussolini zeigen, dass auf Hitler als Verbündetem kein
Verlass war.
Bis zum Mai 1940 lauerte die deutsche
Wehrmacht dann im so genannten „Sitzkrieg“ vor der französischen
Maginot-Linie, an deren Unbezwingbarkeit zu diesem Zeitpunkt noch
niemand Zweifel hegte. Festungen schienen noch ein wirksames Mittel
gegen die deutsche Blitzkrieg-Strategie zu sein. Einem italienischen
Pendant zu dieser Festungskette wurde daher vom Generalstab eine
große Bedeutung beigemessen. Am 21.11.1939 gab Mussolini den Befehl
zur massiven Befestigung der Nordgrenze Italiens. Als dann
Frankreich nach der deutschen Offensive am 10.5.1940 ebenfalls einem
Blitzkrieg zum Opfer fiel, trat Italien am 10.6.1940 an der Seite
Deutschlands in den Krieg gegen England und Frankreich ein, während
an der deutsch-italienischen Grenze weiter Kavernen gebohrt und
Bunker gebaut wurden.
In den folgenden Kriegsjahren führte
Italien eigene Feldzüge gegen Griechenland (28.10.1940) und in
Nordafrika gegen Ägypten (September 1940), die sämtlich glücklos
verliefen. Italiens Position konnte in beiden Fällen nur durch das
militärische Eingreifen der deutschen Wehrmacht gehalten werden.
Nach der verlorenen Schlacht von Stalingrad (31.1.1943) und der
Landung der Amerikaner in Algerien (7.11.1942) wendete sich das
Kriegsglück der Achsenmächte Deutschland und Italien. In Folge der
verlorenen Schlacht von El Alamein (30.06.1943) mussten sie den
afrikanischen Kontinent räumen, das italienische Mutterland wurde
nun selbst direkt von der Südfront her militärisch bedroht.
Nach der Landung der Amerikaner und
Engländer auf Sizilien am 10.7.1943 überschlugen sich die
politischen Ereignisse: Mussolini wurde am 26.7.1943 auf Befehl des
Königs Victor Emanuel III von italienischen Carabinieri verhaftet,
am 3.9.1943 wurde der Waffenstillstand zwischen Italien und den
Alliierten verkündet. Den deutschen Truppen, die immer noch in
Süditalien mit den Alliierten in Gefechten lagen, drohte somit der
Nachschubweg durch Südtirol abgeschnitten zu werden. Bei dieser
Bedrohung spielten die Befestigungen des Vallo Alpino am Brennerpass
eine Schlüsselrolle. Am 9.9.1943 trat daher ein lange vorbereiteter
Plan der Deutschen in Aktion, der zur Entwaffnung der italienischen
Truppen in Südtirol und somit auch zum Verlust des Vallo Alpino
führte.
Am 12.9.1943 wurde Mussolini von deutschen Fallschirmjägern aus
seinem Gefängnis am Gran Sasso in den Abruzzen befreit. Hitler
setzte ihn als Schattenregent der neu gegründeten „Sozialistischen
Italienischen Republik“ mit Sitz in Salo am Gardasee ein. Als sich
die endgültige militärische Niederlage Deutschlands abzeichnete,
wurde der Alpenwall noch einmal ins Kalkül bei der Konzeption der
legendären deutschen Alpenfestung gezogen, die den Nazis als letzte
Rückzugsbastion dienen sollte. Zu nennenswerten Arbeiten kam es aber
nicht mehr, die deutsche Armee kapitulierte am 28.4.1945 in Italien.
Italiens Alpenfestung |