Der Alpenwall in Südtirol

 

Einiges zur italienischen Geschichte zwischen 1918 und 1945

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Ulrich Mößlang der Tauchbrillenspezialist

 

Um die seltsame Geschichte der italienischen Bunker, die in einem deutschsprachigen Gebiet gegen einen deutschen Verbündeten errichtet wurden verstehen zu können, soll an dieser Stelle eine kleine Einführung in die geschichtlichen Hintergründe gegeben werden. 

Italien ging 1918 an der Seite der Alliierten Frankreich, England und der USA als Siegermacht aus dem Ersten Weltkrieg hervor. Im Frieden von St. Germain vom 10.9.1919 wurde Südtirol von Österreich-Ungarn zu Italien geschlagen. Nach der Machtübernahme der Faschisten in Italien unter dem „Duce“ Benito Mussolini, die sich am 28.10.1922 durch den so genannten „Marsch auf Rom“ manifestierte, kühlte sich das Verhältnis zum französischen Nachbarn stark ab. An dieser Grenze begann Italien daher schon ab 1925 mit dem Bau der ersten modernen Festungen. Diese Befestigungen wurden dort ab 1931 unter dem Begriff „Vallo Alpino“ in vermehrtem Maße errichtet. Als Jugoslawien sich in den frühen 30er Jahren politisch stark an Frankreich annäherte, wurde der Bau des Alpenwalls auch auf diese Grenze ausgedehnt. 

Der Überfall Italiens auf das afrikanische Königreich Abessinien (3.10.1935), die politische Annäherung an das ebenfalls faschistische Deutsche Reich mit der Gründung der so genannten Achse Berlin-Rom (1.11.1936) sowie der Austritt aus dem Völkerbund (11.12.1937) isolierten Italien mehr und mehr im weitgehend demokratischen Europa. Im Gegenzug wurde die Bindung an das Deutsche Reich immer stärker und gipfelte am 22.5.1939 in dem Abschluss des so genannten „Stahlpaktes“ als einem militärischen Bündnis zwischen den beiden Staaten. Gleichwohl war diese neue Waffenbrüderschaft immer vom Misstrauen Mussolinis gegenüber dem machthungrigen und unberechenbaren Partner Hitler gekennzeichnet. Hitler pflegte den Duce stets vor vollendete Tatsachen zu stellen, ohne ihn zuvor in seine Pläne einzuweihen. So wurden am 13.3.1938 durch den so genannten „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich Italien und Deutschland unmittelbare Nachbarn, ohne dass Mussolini vorher informiert war. Auch der Überfall Hitlers auf Polen am 1.9.1939, der zum endgültig Ausbruch des Zweiten Weltkriegs führte, blieb dem Duce zuvor verborgen. Spätestens der Einmarsch der sowjetischen Roten Armee in Ostpolen am 17.9.1939, den Hitler schon am 23.8.1939 mit seinem Erzfeind Stalin im geheimen vereinbart hatte, musste Mussolini zeigen, dass auf Hitler als Verbündetem kein Verlass war.  

Bis zum Mai 1940 lauerte die deutsche Wehrmacht dann im so genannten „Sitzkrieg“ vor der französischen Maginot-Linie, an deren Unbezwingbarkeit zu diesem Zeitpunkt noch niemand Zweifel hegte. Festungen schienen noch ein wirksames Mittel gegen die deutsche Blitzkrieg-Strategie zu sein. Einem italienischen Pendant zu dieser Festungskette wurde daher vom Generalstab eine große Bedeutung beigemessen. Am 21.11.1939 gab Mussolini den Befehl zur massiven Befestigung der Nordgrenze Italiens. Als dann Frankreich nach der deutschen Offensive am 10.5.1940 ebenfalls einem Blitzkrieg zum Opfer fiel, trat Italien am 10.6.1940 an der Seite Deutschlands in den Krieg gegen England und Frankreich ein, während an der deutsch-italienischen Grenze weiter Kavernen gebohrt und Bunker gebaut wurden. 

In den folgenden Kriegsjahren führte Italien eigene Feldzüge gegen Griechenland (28.10.1940) und in Nordafrika gegen Ägypten (September 1940), die sämtlich glücklos verliefen. Italiens Position konnte in beiden Fällen nur durch das militärische Eingreifen der deutschen Wehrmacht gehalten werden. Nach der verlorenen Schlacht von Stalingrad (31.1.1943) und der Landung der Amerikaner in Algerien (7.11.1942) wendete sich das Kriegsglück der Achsenmächte Deutschland und Italien. In Folge der verlorenen Schlacht von El Alamein (30.06.1943) mussten sie den afrikanischen Kontinent räumen, das italienische Mutterland wurde nun selbst direkt von der Südfront her militärisch bedroht. 

Nach der Landung der Amerikaner und Engländer auf Sizilien am 10.7.1943 überschlugen sich die politischen Ereignisse: Mussolini wurde am 26.7.1943 auf Befehl des Königs Victor Emanuel III von italienischen Carabinieri verhaftet, am 3.9.1943 wurde der Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten verkündet. Den deutschen Truppen, die immer noch in Süditalien mit den Alliierten in Gefechten lagen, drohte somit der Nachschubweg durch Südtirol abgeschnitten zu werden. Bei dieser Bedrohung spielten die Befestigungen des Vallo Alpino am Brennerpass eine Schlüsselrolle. Am 9.9.1943 trat daher ein lange vorbereiteter Plan der Deutschen in Aktion, der zur Entwaffnung der italienischen Truppen in Südtirol und somit auch zum Verlust des Vallo Alpino führte. 

Am 12.9.1943 wurde Mussolini von deutschen Fallschirmjägern aus seinem Gefängnis am Gran Sasso in den Abruzzen befreit. Hitler setzte ihn als Schattenregent der neu gegründeten „Sozialistischen Italienischen Republik“ mit Sitz in Salo am Gardasee ein. Als sich die endgültige militärische Niederlage Deutschlands abzeichnete, wurde der Alpenwall noch einmal ins Kalkül bei der Konzeption der legendären deutschen Alpenfestung gezogen, die den Nazis als letzte Rückzugsbastion dienen sollte. Zu nennenswerten Arbeiten kam es aber nicht mehr, die deutsche Armee kapitulierte am 28.4.1945 in Italien.

Italiens Alpenfestung

 

 

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