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Die 30er Jahre des letzten
Jahrhunderts waren in Europa eine Epoche des Wettrüstens und des
Festungsbaus. Ein Auslöser für diesen eigenartigen Rüstungs-Boom war
das wieder erstarkte Deutsche Reich, das unter Hitler aus seinem
Expansionsdrang und seinem Vormachtstreben keinen Hehl machte. So
wurden von den bedrohten Nachbarn Polen, der Tschechoslowakei,
Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und der Schweiz
mächtige Festungsanlagen zu ihrem Schutz gegen die neue deutsche
Wehrmacht errichtet. Auch entferntere Länder in Europa wie
Griechenland versuchten sich mit Festungslinien gegen ihre
unliebsamen Nachbarn zu schützen.
Italien befestigte seine
Grenzen zu Frankreich und Jugoslawien schon bald nach dem Ende des
Ersten Weltkriegs mit dem Alpenwall, dem „Vallo Alpino“. Es ist
allerdings weniger bekannt, dass Italien auch gegen seinen damaligen
Verbündeten Deutschland zahlreiche und moderne Befestigungsanlagen
baute. Pikanterweise fällt der Baubeginn dieser Festungen in die
Zeit zwischen dem Bündnisschluss zwischen Italien und Deutschland
und der Entscheidung Mussolinis, an der Seite Hitlers in den Krieg
gegen Frankreich einzutreten. Dass diese Festungswerke zum größten
Teil in Südtirol und somit auf deutschsprachigem Gebiet liegen,
verleitet manchen Betrachter heute dazu, die Bunker und Kavernen
irrtümlich auf die Zeit des Ersten Weltkriegs zu datieren, als auf
den Alpenkämmen der Gebirgskrieg zwischen Italien und dem damaligen
Österreich-Ungarn tobte.
Die meisten Bauwerke des
Alpenwalls existieren noch heute, sie sind aber oft so gut getarnt,
dass sie den wenigsten Durchreisenden auffallen. Ein Teil dieser
Anlagen wurde bis vor wenigen Jahren noch von der italienischen
Armee genutzt und war daher der Allgemeinheit nicht zugänglich.
Dieses Buch möchte dem Leser diesen weitgehend unbekannten Teil der
Südtiroler Geschichte und die überlebenden Relikte des Vallo Alpino
zugänglich machen.
2. Einiges zur italienischen Geschichte zwischen
1918 und 1945 |