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Mit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs kam auf Italien und somit auch auf den Alpenwall eine
neue Epoche zu. So zog der Friedensvertrag zwischen Frankreich und
Italien vom Februar 1947 etliche Grenzverschiebungen in den
Westalpen nach sich, strategisch wichtige und oft auch befestigte
Gebiete der Alpen gingen von Italien auf Frankreich über. Die
rückwärtigen Teile des Alpenwalls, die in Italien verblieben,
mussten gemäß § 47 des Friedensvertrags mit Frankreich gesprengt
werden. An der Ostgrenze zu Jugoslawien kam es zu massiven
Grenzverschiebungen. Das heutige Slowenien sowie die Halbinsel
Istrien kamen zu Jugoslawien und damit die gesamte italienische
Befestigung der Südostgrenze. Diese Befestigungen waren für
Jugoslawien strategisch wertlos, sie fristen dort heute ein
unbeachtetes Dornröschenschicksal. Statt dessen wurden nach 1948
entlang der neuen Grenze zu Jugoslawien neue italienische
Befestigungen gebaut.
Ganz anders war die
Situation an der Nordgrenze. Österreich wurde von den Siegermächten
ein bedeutender Anteil an der Kriegsschuld eingeräumt. Eine
Korrektur der Grenzziehung von 1919, auf die viele Südtiroler
gehofft hatten, kam für die Alliierten nicht in Frage. Bis zum
15.5.1955 unterlag Wien dem Viermächtestatus, d.h. es standen auch
sowjetische Besatzungstruppen im Land. Diese Truppen zogen erst ab,
als Österreich seine Neutralität erklärte. Die fertiggestellten
Festungswerke in der ersten und zweiten Linie wurden wohl auch aus
diesem Grund schon 1948 wieder vom italienischen Militär übernommen,
weiter gepflegt und zum Teil sogar modernisiert. In der Zeit des
kalten Krieges war die Nordgrenze zu Kärnten und Nordtirol praktisch
NATO-Grenze. Auch in dieser Zeit hielt man an den Befestigungen
fest. Erst am Anfang der 90er Jahre, die den Zerfall des Warschauer
Paktes mit sich brachten, wurden die Festungen nach und nach
entmilitarisiert: Die Warnschilder mit dem Fotografierverbot
verschwanden. Die nicht vollendeten Anlagen der rückwärtigen Linien
blieben nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend ungenutzt. Manche
Anlagen fanden als Sprengstofflager für Steinbrüche Verwendung.
Einige Obstbauern zogen mit ihren Lagern in die kühlen und dunklen
Räume ein. Hierbei kommt ihnen heute die Gasdichtheit der Bunker und
Kavernen in besonderem Maße zu Nutzen, da dort die Reife und die
Haltbarkeit des Obstes durch gezielte Zugabe von Kohlensäuregas oder
Methylengas gesteuert werden kann.

Die Warnschilder des Militärs haben ihre
Bedeutung am Alpenwall weitgehend verloren. Durch das Ende des
Kalten Krieges und das Schengener Abkommen verschwimmen heute die
Grenzen zwischen den Ländern. Ob dieses Schild zukünftig vor dem
unerlaubten Betreten von Privatgelände warnen wird?
Die restlichen Grundstücke
werden nun an die Provinz Bozen zurückgegeben, die ihrerseits die
Liegenschaften an die ursprünglichen Besitzer zurückgibt. Da die
meisten Anlagen für eine anderweitige Verwendung ungeeignet sind und
ein Abriss zu teuer käme, werden sie wohl auch weiterhin in ihrem
Dornröschenschlaf bleiben. Nach wie vor sind diese Werke für den
Besucher verschlossen, obwohl wie am Naßfeldpass die ersten
touristischen Informationstafeln auf die Existenz dieser
Festungslinie hinweisen.
Die Bausausführung der Festungswerke |