Der Alpenwall in Südtirol

 

Die kriegerischen Ereignisse von 1943 und 1945 in Südtirol

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Ulrich Mößlang der Tauchbrillenspezialist

 

Die Landung der Alliierten auf Sizilien führte zu einer schweren Regierungskrise in Italien, die am 25.7.1943 zum Sturz Mussolinis und am 26.7. zu dessen Verhaftung führte. Daraufhin wurde in Rom eine Übergangsregierung unter Marschall Badoglio eingesetzt. Offiziell blieben Italien und Deutschland weiterhin Verbündete im Kampf gegen die amerikanischen und englischen Truppen. Unter der Hand verhandelte Italien aber schon mit den Alliierten über einen Waffenstillstand. An der Südfront standen acht deutsche Divisionen im Kampf, für sie war die Brennerbahn eine lebenswichtige Nachschublinie. Das Misstrauen gegenüber dem Achsenpartner veranlasste die Deutschen zu den ersten vorbereitenden Maßnahmen zur Sicherung der Südfront. 

Schon am 27.7.1943 wurde nördlich des Brenners unter dem deutschen General Feurstein eine Kampfgruppe zur Sicherung der deutsch-italienischen Alpenübergänge aufgestellt. Dieser Aufmarsch war unter dem Decknamen „Alerich“ von langer Hand vorbereitet gewesen. Für die im geheimen geplante Besetzung von ganz Italien wurde die neue Heeresgruppe B unter Generalfeldmarschall Rommel ins Leben gerufen.  

Ab dem 28.7.1943 wurde die 44. Infanteriedivision (ID) „Hoch- und Deutschmeister“ von Belgien nach Innsbruck verlegt. Von diesem Augenblick an begann der Wettlauf zwischen Deutschland und Italien um die Besetzung der Alpenübergänge und der Befestigungen des Vallo Alpino. Die Italiener begannen mit dem Laden der Sprengkammern an der Brennerbahn und an den Straßen. General Feurstein teilte dem kommandierenden General Gloria in Bozen mit, dass er zusätzlich zu den italienischen Posten an der Brennerbahn deutsche Einheiten zum Schutz der Bahnstrecke aufzustellen gedenke. Zusätzlich solle am 1.8. die 44. ID über den Brenner nach Südtirol einmarschieren. Feuerstein versuchte Gloria mit der Mitteilung zu täuschen, dass diese Maßnahmen zwischen dem Oberkommando der Wehrmacht und dem Comando Supremo (dem italienischen Oberkommando) abgesprochen seien. Die Italiener durchschauten diese Finte und drohten ihrerseits, den Einsatz deutscher Truppen notfalls mit Waffengewalt zu verhindern. Am 1.8. marschierte dann tatsächlich die 44. ID in Norditalien ein, jedoch ohne dass ein Schuss fiel. Die Deutschen gelangten bis zum 4.8. nach Gossensaß, Sterzing, Brixen, Franzensfeste und Bozen, wo sie von den italienischen Truppen argwöhnisch beschattet wurden. Das Katz- und Mausspiel um die Brennerbahn begann. Die Italiener verlegten nun ihrerseits am 7.8. die Alpinidivisionen „Tridentino“ und „Cunese“ nach Südtirol, um die Stützpunkte des Alpenwalls zwischen Bozen-Süd und dem Brennerpass zu besetzen. Gleichzeitig forderten sie den Abzug der deutsche 44. ID. Im Gegenzug erteilte Hitler der 44. ID den Befehl, die Befestigungen entlang der Brennerbahn zu besetzen. Zwischen dem 7.8. und dem 8.8.1943 wurden die Höhen und Stellungen links und rechts des Brennerpasses von der deutschen Kampfgruppe Furbach besetzt. Zusätzlich wurde am 10.8. der Reschenpass mit seinen Befestigungen von Truppen der SS-Hochgebirgsschule Neustift besetzt sowie der Grenzübergang im Pustertal durch ein Bataillon der deutschen Brigade Doehla.  

Die nächsten Tage vergingen mit gegenseitigem Belauern und Wettläufen um die Besetzung von strategisch wichtigen Positionen und Befestigungen. In der Zeit vom 3.8. bis zum 30.8. passierten insgesamt acht deutsche Divisionen, darunter die SS-Panzerdivision „Leibstandarte Adolf Hitler“ die Grenze und besetzten nach und nach ganz Norditalien. Die deutsche Heeresleitung rechtfertigte dies mit der drohenden Gefahr einer möglichen alliierten Landung in Norditalien. Aber immer noch war Italien offiziell ein souveräner Staat, in dem die deutschen Truppen nur geduldet wurden. Am 8.9.1943 kapitulierte die italienische Regierung endgültig vor den Alliierten. Gleichzeitig trat der unter dem Decknamen „Achse“ vorbereitete deutsche Plan zur Entwaffnung der italienischen Truppen in Kraft. Schon am 9.9.1943 wurden in Meran und Bozen 18 000 Italiener von deutschen Truppen gefangen genommen, wobei es auf beiden Seiten auch Tote gab. Insgesamt nahm die 44. ID 18 Generäle, 1783 Offiziere und 50 000 Mann zwischen Trient und dem Brenner gefangen. Die Wehrmacht übernahm die Macht in Norditalien. Der Vallo Alpino hatte seine Rolle als italienisches Bollwerk gegen Hitlerdeutschland somit sang- und klanglos ausgespielt. 

Das unaufhaltsame Vorrücken der Alliierten in Italien weckte im Herbst 1944 noch einmal das deutsche Interesse an den Befestigungen im Alpengebiet. Im September wurde unter Generalmajor Marcinkiewicz ein Pionierstab gebildet, der das Gelände und die Befestigungsanlagen des Vallo Alpino (und die italienischen und altösterreichischen Festungen aus dem Ersten Weltkrieg!) auf ihre Eignung als Abwehrstellung untersuchen sollte. Es kam daraufhin jedoch nur zum Bau von wenigen Sperranlagen im Etschtal bei Ala sowie zum Ausbau einiger Kriegsstraßen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Eine Reaktivierung des Alpenwalls fand jedoch nicht mehr statt. Der Zusammenbruch der Südfront kam so schnell, dass es auch nicht mehr zu Sprengungen von Anlagen des Alpenwalls kam. 

Südtirol wurde von amerikanischen Truppen befreit, die gleichzeitig von Norden und Süden vorrückten. Die 103. US ID besetzte am 3.5.1945 vom Süddeutschland kommend Innsbruck. Sie marschierte anschließend über den Brennerpass nach Süden und vereinigte sich am 4.5.1945 in Sterzing mit der von Süden anrückenden 88. US ID. Einheiten der 10., 85. und 88. US Mountain Division besetzten daraufhin ganz Südtirol. Der Zweite Weltkrieg war in Südtirol zu Ende.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

 

 

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