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Italiens damalige
Neuerwerbung Südtirol ist auch heute noch nördlich der so genannten
Salurner Klause im Etschtal zum großen Teil ein deutschsprachiges
Land. Bis zur Machtergreifung der Faschisten im Jahr 1922 sah es
zuerst so aus, als wenn Italien diese Tatsache in einer Art
friedlicher Koexistenz tolerieren würde. Doch schon bald wurden in
Rom Stimmen laut, die die „Italienisierung“ dieses Landesteiles
forderten.
Es folgte eine Welle von
Repressalien wie die Entlassung deutscher Beamter und die Einsetzung
italienischer Bürgermeister. Um Südtirol den Status einer
mehrheitlich deutschsprachigen Provinz zu nehmen, legte man es am
23.1.1923 verwaltungsmäßig mit dem größtenteils
italienischsprachigen Trentino zur Provinz Venezia Tridentina
zusammen. Orts- und Flurnamen wurden „italienisiert“, ja sogar die
Verwendung des Worts „Tirol“ wurde verboten (7.8.1923). Um die
deutsche Sprache langfristig auszurotten, wurde an den Schulen nur
noch italienisch unterrichtet (23.10.1923). Mit der Schaffung der
Industriezone Bozen-Süd und der Ansiedlung Tausender italienischer
Arbeiter sollte zumindest die Provinzhauptstadt eine italienische
Bevölkerungsmehrheit erhalten. Ab dem 15.10.1925 war das
Italienische vor Gericht die einzige zugelassene Amtssprache.
Entgegen der Hoffnung
vieler Südtiroler dachte Hitler nicht daran, sie mitsamt ihres
Heimatlandes „heim ins Reich“ zu holen. Hier mag die Rücksichtnahme
Deutschlands auf den praktisch einzigen faschistischen Verbündeten
in Europa eine wesentliche Rolle gespielt haben. Im Zuge der
Annäherung Italiens an das Deutsche Reich wurde am 21.10.1939 eine
Vereinbarung über die Aussiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung
nach Deutschland getroffen. Die deutschsprachigen Südtiroler sollten
sich mit einer „Option“ für oder gegen eine Auswanderung aus Italien
entscheiden. Mit dieser Option wurden die Südtiroler vor die Wahl
gestellt, entweder ihre Heimat und somit ihre gewachsene
wirtschaftliche Existenz aufzugeben, um ein neues Leben in einer
noch ungewissen Zukunft zu beginnen, oder aber endgültig
italienische Staatsbürger unter Aufgabe ihrer sprachlichen und
kulturellen Wurzeln zu werden.
Obwohl die Entscheidung
mit über 80 % mehrheitlich für eine Aussiedlung viel, verlief die
Umsiedlung sehr schleppend. Ein Grund dafür war der zögerliche
Rückkauf des Grundbesitzes durch die italienischen Behörden. Vielen
Südtirolern fiel es auch nicht leicht, ihre Heimat tatsächlich
aufzugeben um in die erst noch neu zu erwerbenden deutschen
Ostgebieten zu ziehen.
Für die Südtiroler war es
besonders schmerzlich zu sehen, wie die Regierung in Rom einen
Festungswall zwischen ihnen und ihren Landsleuten in Nordtirol
baute. Zum Bau der Bunker und Panzersperren wurde ihr kostbares
Weideland enteignet, wobei die militärischen Sperrzonen natürlich
wesentlich größer als nur die Grundflächen der Werke waren. Von den
hohen Löhnen der Arbeiter beim Bau durften sie meist nicht
profitieren, da hierzu bevorzugt Italiener eingestellt wurden. Der
Vallo Alpino wurde von ihnen daher nicht als Teil einer
Landesverteidigung betrachtet, sondern eher als der Bau einer
Gefängnismauer.
Die Festungslinie hieß
offiziell übrigens immer „Vallo Alpino“, der Anhang „del Littorio“,
was soviel wie faschistisch bedeutet, tauchte erst seit den
Baumaßnahmen an der Grenze zum ebenfalls faschistischen Deutschland
auf!
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